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Der Emscher-Umbau

Dienstag, 26. Juni 2012

Mit dem Bauabschnitt 30 nimmt die Emschergenossenschaft das größte Einzelprojekt für den bis 2020 laufenden Emscher-Umbau in Angriff. Im Herner Stadtteil Pantringshof – direkt an der Stadtgrenze zu Recklinghausen – wurde jetzt die erste Baustelle eingerichtet. Ziel ist es, den offenen Schmutzwasserkanal Emscher in ein geschlossenes, unterirdisches Kanalsystem zu verlegen. An der Oberfläche wird die Emscher als Flusslauf wieder renaturiert.

emscherumbau 02Die Baustelle an der Eberhardt-Wildermuth-Straße ist eingerichtet worden. Die Baustraßen wurden erstellt und das eigentliche Baufeld hergerichtet. In den kommenden Tagen erfolgt das Herstellen der Baugrube und der Bodenaushub, der sich aber über einige Monate hinzieht. Erst wenn die Gruben komplett ausgehoben ist, kann der eigentliche Rohrvortrieb auf der südlichen Emscherseite, also vollständig auf Herner Stadtgebiet, erfolgen. Das erste Kanalrohr wird allerdings frühestens 2013 verlegt. Bis 2017 muss alles fertig sein, damit der Kanal auf seiner ganzen Länge (51 km von Dortmund bis Dinslaken) in Betrieb gehen kann.

emscherumbauDer Schacht in Pantringshof gehört zum insgesamt 35 Kilometer langen Bauabschnitt dieses Kanals, der von Dortmund bis Bottrop geht. Die Kosten für diesen 35-km-Abschnitt belaufen sich auf 423 Millionen Euro, der Auftrag wurde Anfang des Jahres an die Firma Wayss & Freitag vergeben. Die Maßnahme ist das größte Einzelprojekt beim Emscher-Umbau und zugleich auch die größte Einzelinvestition, die die Emschergenossenschaft je getätigt hat. Der Emscher-Umbau kostet insgesamt 4,5 Milliarden Euro und soll 2020 abgeschlossen sein.

Rückblick. Vor mehr als hundert Jahren wurde aus einer dünn besiedelten Auenlandschaft ein industrieller Ballungsraum und aus der ungebändigten Emscher ein von Menschen geformtes System offener Abwasserläufe. 1906 begann der Umbau der Emscher zu einem regulierten künstlichen Fluss. Bis 1927 dauerten die Arbeiten, um die Emscher auf einer Länge von 77 km zu regulieren. Auch die Nebenläufe werden ausgebaut: im gesamten Revier entstehen „Köttelbecke“ mit einer Gesamtlänge von 223 km.

Mit dem Rückgang des Bergbaus hat ein weiterer Strukturwandel begonnen, bei dem die traditionelle Schwerindustrie Dienstleistung und Hochtechnologie weicht. Auch diese Entwicklungen spiegeln sich in einer veränderten Emscher wider. Das Abwasser wird zukünftig in geschlossenen Kanälen abgeleitet, der Fluss und seine Nebenläufe werden Schritt für Schritt in naturnahe Gewässer umgebaut.

emscherumbau 04Auf über 80 Kilometern Länge soll mitten im größten Ballungsraum Europas ein Fluss zurückkehren, der heute nur als offener Abwasserlauf existiert. Erstmals seit über 100 Jahren ist die Emscher auf einer Länge von über 10 km von ihrer Quelle in Holzwickede bis zum Phoenix-Gelände in Dortmund-Hörde wieder frei von Abwasser.

Das Abwasser unterirdisch abzuleiten und die Oberflächengewässer abwasserfrei zu machen, ist ein wesentliches Ziel des Emscher-Umbaus. Bislang wurden über 200 km unterirdischer Abwasserkanäle rund um die Nebengewässer der Emscher verlegt. Derzeit erfolgt der Bau des Abwasserkanals Emscher der eigentliche Hauptabwasserkanal. Über 51 km verläuft er parallel zum künftig renaturierten Emscherhauptlauf zwischen Dortmund und Dinslaken in einer Tiefe von bis zu 40 m.

Text: Stefan Kuhn mit Material der Emschergenossenschaft

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